Ökosystem der Ameisen

Das Ökosystem der Ameisen

Aktuell leben etwa 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde. Unsere Auswirkungen auf die Umwelt sind nicht zu übersehen. Wir formen die Erde nach unseren Vorstellungen und nutzen ihre Ressourcen. Es gibt aber auch eine andere Art, die das Ökosystem in dem sie leben massiv beeinflussen.


Pro Mensch gibt es etwa 1,3 Millionen Ameisen. Insgesamt ergibt das etwa 10.000 Billionen Individuen. Gesamt wiegen alle Ameisen, etwa gleich viel, wie wir Menschen. Wie die kleinen Insekten auf die Ökosysteme wirken, in denen sie leben und welche Rolle sie spielen wollen wir uns in diesem Beitrag genauer ansehen.

Ökosystem

Ein Ökosystem ist die Gesamtheit aller Lebewesen, die sich einen Lebensraum teilen. Die Ameisen besiedeln fast jeden Flecken unserer Erde. Sie sind also Teil fast jedes Ökosystems. Dort spielen sie ganz unterschiedliche Rollen. Auf der Suche nach Nahrung verteilen sie die Samen der Pflanzen. Sie zerlegen tote Tiere, sowie Blätter. Sie selbst dienen anderen Lebewesen als Nahrung. Ihre Lebensweise und ihr Einfluss auf ihre Umwelt sind noch nicht vollständig erforscht. Klar ist nur, dass sie ein wichtiger Teil des jeweiligen Ökosystems sind und damit eine wichtige Rolle für das Leben auf der Erde spielen.

Staaten

Der Ameisenstaat besteht auf einer, oder mehreren Königinnen, die wie bei den Bienen für den Nachwuchs zuständig sind. Die männlichen Ameisen haben nur die Aufgabe, die Königinnen zu befruchten. Danach sterben sie ab und die Königinnen beginnen damit Eier zu legen. Die Königin kann 20 bis 30 Jahre alt werden. Bei Arten, die nur eine einzige Königin haben, führt ihr Tod dazu, dass der Staat nach einigen Monaten ausstirbt. Neben der Königin gibt es im Ameisenstaat hauptsächlich Arbeiterinnen. Sie widmen sich drei Aufgaben. Die Brutpflege erfolgt in erster Linie durch die jüngeren Ameisen. Die älteren Arbeiterinnen verlassen den Stamm und gehen in dem gefährlichen Außeneinsatz. Dort verteidigen sie das Nest und suchen nach Nahrung. Bei manchen Arten gibt es auch spezielle Soldaten, die die Verteidigung übernehmen und andere spezialisierte Individuen.

Arbeitsteilung

Der Ameisenstaat ist perfekt organisiert. Die Königin ist nur für das Eierlegen zuständig. Die Abläufe im Ameisenbau regeln sich selbst. So übernehmen die Arbeiterinnen ihre Aufgaben ganz automatisch. Jüngere Ameisen reagieren auf die Geräusche der Larven empfindlicher, als die älteren. Solange die da sind kümmern sie sich um die Versorgung des Nachwuchses, während die älteren Tiere sich außerhalb des Baus aufhalten. Erst wenn sie sich nicht mehr um die Larven kümmern und die Geräusche lauter werden, übernehmen die älteren Tiere die Arbeit. Wie ein Ameisenstaat funktioniert kann man in einer Ameisenfarm gut beobachten. Die Tiere sind genügsame Haustiere und bieten viele Gelegenheit, sie zu beobachten.

Ameisen und Ökosystem

Innerhalb ihres Ökosystems dienen die Ameisen als Nahrung für zahlreiche andere Arten. Amphibien, kleine Säugetiere und andere Insekten ernähren sich von den Insekten. Die Ameisen selbst entsorgen tote Tiere. Sie holen Stück für Stück das Fleisch aus den Kadavern, bevor diese verrotten. Damit sind sie so eine Art Gesundheitspolizei. Aber auch die Verbreitung von Samen ist teilweise Aufgabe der Ameisen. Sie können das 30-40-fache ihres Körpergewichts tragen und befördern so große Mengen Nahrung in ihren Bau. Blattschneiderameisen züchten in speziellen Kammern Pilze, von denen sie sich ernähren. Außerdem beschützen Ameisen Blattläuse, die sie wie Haustiere halten. Sie ernähren sich vom Honigtau, den die Läuse absondern und beschützen sie vor Fressfeinden, wie dem Marienkäfer. Ameisen sind ein wichtiger Teil ihres Ökosystems und sorgen dafür, dass es intakt bleibt.

Lange Geschichte

Schon vor den Dinosauriern gab es Ameisen auf unserer Erde. Sie gehören zu den erfolgreichsten Lebewesen auf unserem Planeten. Fast jeder Winkel unserer Erde wird von verschiedenen Ameisen besiedelt. Sie haben ganz unterschiedliche Lebensweisen. Wanderameisen ziehen Tag für Tag in ein neues Nest. Sie bilden Brücken und Boote aus ihren Körpern und erbeuten auch wesentlich größere Nahrung auf ihren Zügen. Termiten bauen riesige oberirdische Nester aus Holz. Blattschneiderameisen zerlegen Blätter und lassen sie gezielt als Nahrung für Pilze verrotten. Andere Arten überfallen Kolonien, töten alle erwachsenen Tiere und halten den Nachwuchs der anderen Art als Sklaven. Sie besiedeln verschiedene Nischen und haben ausgeklügelte Strategien entwickelt um zu überleben. Sie bilden komplexe Organismen, führen Kriege und sind ständig in Bewegung.

Argentinische Ameise

Welche Auswirkungen Ameisen auf das Ökosystem haben, lässt sich am besten an der argentinischen Ameise erforschen. Anfang des 20. Jahrhunderts sind die Tiere mit Kaffeesäcken und Palmblättern nach Europa eingewandert. Zuerst wurden sie in Madeira sesshaft, von wo sie wenig später auch auf das Festland weiterzogen. Sie stammt ursprünglich aus Argentinien, fühlt sich aber im gemäßigten Mittelmeerklima sehr wohl. Normalerweise dulden Ameisen keine fremde Kolonie in ihrer Nähe. Bei der argentinischen Ameise gibt es aber eine Besonderheit. Alle Stämme in Europa sind miteinander eng verwandt. Sie leben mit mehreren Königinnen in einem Nest. Von Zeit zu Zeit wandert eine der Königinnen mit ein paar Arbeiterinnen aus und gründet einen neuen Staat.

Invasion

So haben die argentinischen Ameisen es geschafft die größte zusammenhängende Kolonie zu bilden. Im Laufe der Zeit haben sie sich von Spanien über Frankreich bis nach Italien ausgebreitet. Die Kolonie aus zusammengehörigen Nestern erstreckt sich mittlerweile über 5.760 Kilometer. Nachdem die einzelnen Stämme sich nicht bekämpfen reguliert sich der Bestand nicht von selbst. Die Tiere breiten sich immer weiter aus. Dabei verdrängen sie die heimischen Ameisen nach und nach. Sie überfallen ihre Nester und töten alle Ameisen. Bei der Nahrungssuche verdrängen sie andere Käfer. Ihre Auswirkung auf das Ökosystem in das sie eindringen lassen sich leicht erforschen.

Neue Art: Ergebnisse sind alarmierend

Spanische Forscher haben kleine Ökosysteme rund um Korkeichen untersucht. Neben den Bäumen gibt es in der Gegend nur Büsche und Sträucher. Das macht sie zu abgeschlossenen kleinen Gemeinschaften unterschiedlicher Tierarten. Korkeichen mit und ohne argentinische Ameisen wurden abgezäunt und die Tier- und Pflanzenvielfalt rund um die Bäume wurde analysiert. Die Ergebnisse sind alarmierend. Die übrige Tierwelt verändert sich stark, wenn argentinische Ameisen das Ökosystem besiedeln. Ihre Gesamtmasse ist größer, als die aller einheimischen Arten zusammen. Sie vertreiben aggressiv größere Tiere und sorgen dafür, dass sich Arten, die sich von ihnen ernähren, stark zunehmen. Die argentinische Ameise kann ein Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen.

Feuerameise

Eine ähnliche Entwicklung gab es bereits mit der Feuerameise. Die Art wurde nach Amerika eingeschleppt und hat dort zwei Drittel aller heimischen Arten verdrängt. Ein Stich der Feuerameise kann aufgrund allergischer Reaktionen für den Menschen tödlich enden. Jahrzehnte nach der Einwanderung der Feuerameisen beobachtet man jetzt, dass die heimischen Arten zurückkehren. Allerdings ist eine solche Entwicklung bei der argentinischen Ameise noch nicht zu erwarten. Werden die Winter milder wird sie sich auch weiter nach Norden ausbreiten und immer mehr Arten verdrängen. Eine Bekämpfung ist nahezu unmöglich. Solange die Tiere sich nicht gegenseitig bekämpfen wird ihre Ausbreitung nicht gestoppt werden.

Erfolgreiche Tiere

Ameisen haben erfolgreich alle Ökosysteme besiedelt. Dass eingeschleppte Ameisen die heimischen Arten verdrängen ist eine beunruhigende Entwicklung. Die Anpassungsfähigkeit der Tiere und ihre
Energie werden aber früher oder später dazu führen, dass sie sich an die neue Situation gewöhnen. Wie das Beispiel der Feuerameise zeigt, können einzelne Arten ein Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen. Die Natur findet aber einen Weg, es wieder auszugleichen. Auch wenn es eine Veränderung gibt, entwickelt sich über kurz oder lang wieder ein stabiles Ökosystem. Arten verschwinden und neue Arten kommen hinzu. Letzten Endes wird ein neues natürliches Gleichgewicht geben.